
Bevor ich auf das Thema eingehe, nochmal kurz zur Erinnerung: Der Antragsteller eines Darlehens spricht mit der Bank auf Augenhöhe und sollte sich keines falls als Bittsteller verhalten. Beide Seiten wollen zusammen ein Geschäft machen, also wollen beide Seiten auch Vorteile dort herausziehen. Ich verweise in diesem Zusammenhang auf meinen Artikel unter: Existenzgründung Kredit: Die Bank als Partner
Jeder Kredit hat einige grundlegende Eigenschaften. Durch diese werden seine Kosten bestimmt wie auch die „Last“ berechnet, welches das Unternehmen bzw. die Existenzgründung zu „schultern“ hat – und damit auch das Risiko, welche die Bank zu tragen hat. Diese Eigenschaften sind:
- Der Darlehensbetrag
- Die Dauer, über welche das Darlehen zur Verfügung gestellt wird
- Der Zinssatz, also der Preis für die Überlassung von finanziellen Mitteln, ausgedrückt in % per (meistens) Jahr
- Die Art der Rückzahlung
Diese entscheidenden Charakteristiken wirken in Ihrer Gesamtheit auf den Schuldendienst (Zins- und Rückzahlungen), den das Unternehmen zu leisten hat und werden mit der Bank vereinbart. Hinsichtlich der genannten Grössen ist jeder Kredit individuell strukturiert. Diese Struktur wird mit der Bank ebenfalls verhandelt und vereinbart. Die Darlehensstruktur legt somit fest, wie das Darlehen / der Kredit nach Höhe und Zeitverlauf den Zahlungsabfluss aus dem Unternehmen und damit seine Liquidität beeinflusst. Die wichtigsten Elemente der Darlehensstruktur sind die folgenden:
- Auszahlung des Darlehensbetrages in einem oder in mehreren Beträgen
- Soll bei der ersten Auszahlung ein Abschlag (Disagio) von einigen Prozent vom Darlehensbetrag zur Anwendung kommen, wobei andererseits in diesem Fall der Zinssatz für das gesamte Darlehen etwas niedriger sein wird
- Der Rythmus der Zinszahlungen: monatlich, jedes Quartal; am ersten oder am letzten Tag dieser Zeiträume
- Der Rythmus der Rückzahlung/Tilgung: monatlich, jedes Quartal, halbjährlich, jährlich; am Anfang oder am Ende dieser Zeiträume
- Sollen Zins- als auch Tilgung in einem z.B. monatlich festen Betrag kombiniert werden (Annuität) oder werden die Rückzahlungen separat strukturiert (Amortisation), die Zinsen jedoch monatlich gezahlt? Die Annuität wird häufiger angetroffen
- Gibt es tilgungsfreie Perioden – z.B. am Beginn des Geschäftsbetriebes?
- Welche Verwaltungskosten oder auch andere Kosten werden im Rahmen des Abschlusses eines Darlehens von Seiten der Bank berechnet?
Auch wenn es nicht so häufig vorkommt, so führen wir hier noch ein paar „Spezialelemente“ an. Sie können Teil eines Kreditvertrages sein oder vielleicht gar notwendig werden:
- Sondertilgungen: Seien Sie sich immer bewusst, dass Sie sich an die einmal vertraglich vereinbarten Konditionen bzw. Zahlungsbedingungen für die ganze Laufzeit, über die der Kredit läuft, halten müssen. Frühere, nicht geplante Rückzahlungen sind zwar möglich, können aber durch sog. Vorfälligkeitsentschädigungen sehr teuer werden. Diese Vorfälligkeitsentschädigungen halten letztlich die Bank in dem Fall schadlos, da die Bank auch ihrerseits Geld an anderer Stelle (z.B. am Interbanking-Markt) zu fest vereinbarten Konditionen aufgenommen hat. Warum? Um das Darlehen Ihnen bzw. der Existenzgründung ausreichen zu können, denn keine Bank hat das Geld für Kreditvergabe „so einfach im Tresor“ bzw. in den Büchern. Wie auch immer: Sie sollten auf alle Fälle mit der Bank eine Option zur vorzeitigen kostenlosen Rückzahlung von bestimmten Summen aushandeln, z.B. €20.000 zu jedem Jahresende.
- Sollen bestimmte Resttilgungen am Ende der Darlehenslaufzeit vereinbart werden?
- Sollen zeitlich befristete Aussetzungen von Zinszahlungen oder Tilgungen in Frage kommen?
- Besteht die Möglichkeit einer generellen Refinanzierung? Diese Option besteht meistens in einer Streckung der Rückzahlung, also einer Tilgung über einen längeren Zeitraum, z.B. angesichts einer Krise.
Die letzten beiden Optionen können im allgemeinen nicht vorhergesehen werden (und es fragt sich, ob man sie während einer Kreditverhandlung überhaupt ansprechen soll……….!). Sie müssen jedoch auf alle Fälle bei einer finanziellen Krise bzw. ernstem Liquiditätsengpass in Betracht gezogen werden. Allerdings ist es ja ohnehin besser, sein Geschäft konsequent finanziell unter Kontrolle zu halten und falls erforderlich die notwendigen Anpassungen in den Ausgaben und vielleicht auch auf der Einnahmenseite vorzunehmen.
Noch ein Beispiel dafür, wie die Dauer und der Zinssatz eines Kredites Kosten und Liquidität einer Existenzgründung – wie auch anderer Unternehmen – beeinflusst! Wir nehmen ein Annuitätendarlehen von €120.000 an, welches in einer Summe – z.B. zum Start Ihres Geschäfts – ausgezahlt wird. Hier eine nur ganz einfache, schematische Berechnung, die allerdings unseren Gedanken deutlich macht und worüber Sie genau nachdenken sollten:
5 Jahre zu 5%: €18.873 Zinskosten und Tilgung von €24.000 – pro Jahr
5 Jahre zu 2,5%: €9.281 Zinskosten, Rest wie oben
3 Jahre zu 2,5%: €6.181 Zinskosten und Tilgung €40.000 – pro Jahr
3 Jahre zu 5%: €12.474 Zinskosten, Rest wie oben
Falls Sie selber Beispiele zum Schuldendienst berechnen wollen, gebe ich Ihnen hier einen link: http://www.zinsen-berechnen.de/kreditrechner.php
Bitte beachten sie, dass der Kredit, bei gleichem angenommenen Zinssatz, über eine kürzere Laufzeit billiger ist, da sie das Geld ja nicht so lange in Anspruch nehmen. Allerdings müssen Sie den Kredit dann auch in kürzerer Zeit tilgen, wobei die Summe der Rückzahlungsraten und Zinszahlungen pro Jahr/pro Monat Ihre Liquidität erheblich höher als im langfristigen Fall belasten. Es empfiehlt sich, mit Blick auf Ihre Einnahmequellen und Ressourcen, alternative Szenarios zu planen und zu rechnen um herauszufinden, was das Beste für Ihren Liquiditätsverlauf ist. Die Bank oder auch ein Berater können der Existenzgründung dabei gute Hilfestellungen geben.