Working-Capital-Management: Erste Hilfe bei Liquiditätsengpässen

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Rechnungen von Lieferanten, welche längere Zeit liegenbleiben oder auch gar nicht bezahlt werden können. Rückzahlung von Kreditraten und Zinsen: unklar, wie das diesmal zu bewerkstelligen sein soll. Wiederholte Mahnung bezüglich ausständiger Steuerschulden, vielleicht noch mit Androhung von Pfändungen. Leere Kasse und Kontostand nahe Null.  Und all das praktisch jedes Quartal oder gar jeden Monat wieder:  wie soll man sich da herauswinden?!

In einem ersten Schritt muss man sich selber gegenüber – hoffentlich nicht zu spät! – eingestehen, dass man ein Problem hat. Ein Problem, welches zu dauernder Zahlungsunfähigkeit und zur Insolvenz führt, sofern Sie es nicht sehr bald lösen. Fortan muss also etwas passieren bzw. grundsätzlich anders laufen. Damit stellen Sie dann jederzeit sicher, dass finanzielle Verpflichtungen durch Ihr Unternehmen vollständig und pünktlich erfüllt werden.  Nur wie bzw. durch was?

Im Prinzip sind zwei Aktionspakete notwendig:  (1) ergreifen Sie kurzfristig wirksame Sofortmaßnahmen, um schnell fällige Zahlungen zu begleichen und ihre (zumindest die kritischsten) Gläubiger zu befriedigen. Damit können Sie eine evt. Insolvenz vermieden und die Weiterexistenz Ihres Unternehmens ermöglichen. Hiervon ist in diesem Artikel die Rede.  (2) Zum anderen müssen Sie (ja, auf alle Fälle dies auch!) durch eine Optimierung der relevanten Prozesse, u.a. und ganz besonders im Hinblick auf offene Forderungen  , erreichen, dass Kasse und Konto immer ein ausreichendes Niveau aufweisen. Dieses soll Ihnen zu jeder Zeit die „stressfreie“ Begleichung von Schulden gewährleisten. Davon wird in einem der nächsten Artikel die Rede sein.

Was kommt nun als „Erste-Hilfe-Maßnahme“ zur Rettung der Situation – und oft genug auch des Unternehmens – in Betracht.  Da man in den meisten Fällen davon ausgehen muss, dass etwaige Kreditlinien bereits voll ausgeschöpft oder gar schon etwas überzogen sind, sollten Sie  folgende Maßnahmen zu prüfen:

Auszahlungen und Verpflichtungen

1. Sie als Chef oder Ihr Beauftragter hat ab sofort eine Hand auf der Kasse und die andere Hand auf den Bestellungen. Damit gehen alle Zahlungen und alle neu einzugehenden Verpflichtungen über Ihren Tisch und werden je nach Priorität dort freigegeben oder verschoben oder auch ganz gestrichen. Auf diese Weise verringern Sie auf alle Fälle unkontrollierte und zu hohe Geldabflüsse  und erweitern den finanziellen Spielraum zumindest ein wenig. Dies kann schon mal gegenüber dem einen oder anderen recht ungeduldigen Gläubiger helfen.

Forderungen  (siehe auch https://finanzerdittrich.com/2014/02/01/geld-besser-bei-mir-als-beim-kunden-forderungsmanagement/#more-923 )

2. Längere Zeit ausstehende Forderungen, besonders solche mit hohen Beträgen, sog. Brocken, müssen Sie vordringlich „jagen“ d.h. eintreiben. Auf dieser Ecke des Working Capital müssen Sie sicherlich etwas kreativ Asset Management betreiben und ggf. auch unangenehm werden, um relativ schnell Ihren Kontostand aufzubessern. Der Einwand von Seiten des Vertriebes, dass die Firma dann vielleicht die betroffenen Kunden verliert, geht m.E. ins Leere: Kunden, die nicht zahlen, können Sie sowieso nicht gebrauchen, denn zu verschenken haben Sie nichts, oder? Denken Sie in diesem Themenkomplex auch an ein Verkaufen von Forderungen (Factoring), was ich weiter unten nochmal anspreche.

Lieferverbindlichkeiten  (siehe auch https://finanzerdittrich.com/2014/02/24/vielleicht-etwas-spater-aber-nicht-zu-fruh-lieferverbindlichkeiten/ )

3. Als nächstes sollten Sie mit besonders wichtigen Lieferanten, wie z.B. mit denen, welche Schlüsselmaterialen u.ä liefern, eine Refinanzierung, meistens Streckung, der ausstehenden Zahlungen vereinbaren.  Ebenfalls mit der Bank wäre über eine Refinanzierung von bestehenden Darlehen zu reden. In beiden Fällen müssen Sie unbedingt ein Plan vorstellen, der dahingehend überzeugt, dass im Prinzip das Geschäft gute Chancen hat und auf welchem Wege Sie die Krise beenden wollen. Auch wenn Sie sich natürlich angenehmere Gespräche vorstellen können, ist eine offene Kommunikation der Schwierigkeiten immer noch besser, als vielleicht in Kürze „den Laden dicht machen“ zu müssen. Letztlich hat auch die Bank ein Interesse daran, dass Ihr Unternehmen und mit ihm das Engagement der Bank überlebt – vorausgesetzt, dass es wirtschaftlich realistische Aussichten dazu gibt.

Ausrüstung verkaufen

4. Verkauf von Maschinen, Geräten, Betriebsaustattung etc., vielleicht auch Lizenzen und Rechte oder auch gar Gebäuden und Grundstücken, besonders wenn sie nicht mehr benötigt werden. Dies kann, wenn auch nicht innerhalb von Tagen und wenigen Wochen, eine nicht zu verachtende Summe in Ihre Kasse spülen, welche die Situation weiter entspannt. Hierunter fallen auch die sog. Sale-and lease-back Geschäfte: Maschinen oder Anlagevermögen werden verkauft und bringen so vergleichsweise schnell Geld auf das Konto. Allerdings werden diese sofort wieder „zurückgemietet“, so dass Sie damit weiterarbeiten können. Dieses Verfahren spielt sich lediglich „in den Büchern“  ab, wobei die Gegenstände körperlich dort bleiben, wo sie gerade sind – also bei Ihnen in der Werkstatt, zum Beispiel.  Aber Vorsicht: passen Sie auf, dass Sie keine Gegenstände verkaufen, welche Sie der Bank oder anderen Gläubigern als Sicherheiten gestellt haben; sonst flackert hier das nächste Problem auf.

Verlustreiche Aktivitäten

5. Eine schnelle und sehr wirksame Art Ausgaben zu stoppen ist, mit Aktivitäten und Projekten aufzuhören, die  Geld verlieren. Ein Stop der entsprechenden Einkäufe entlastet schon mal die Kasse und ein Abbau der Kapazitäten hält – je nach Zeitraum, über welchen das möglich ist – zusätzlich Geld auf dem Konto. Es lohnt sich, wenn Sie diese Option genau prüfen!

Factoring – gut, aber kein plötzlicher Befreiungsschlag

6. Factoring: ein Verkauf von Forderungen an ein spezialisiertes Unternehmen (den Factor), welches sich nun um die Begleichung derselben kümmert. Das eigene Unternehmen erhält dafür den Gegenwert der Forderungen, abzüglich einer Gebühr, sofort auf das Konto überwiesen. Diese Option kann ggf.  ziemlich schnell Hilfe leisten, ist aber kein Befreiungsschlag in soz. „letzter Minute“! Immerhin aber wird der Geldzufluss beträchtlich beschleunigt. Dadurch werden die „Löcher in der Kasse“ nicht noch grösser, als sie ohnehin schon sind. Der Charme dieser Alternative ist vornehmlich ein rascher, verlässlicher und planbarer Geldeingang für gelieferte Produkte und Dienstleistungen. Allerdings muss Ihr Unternehmen dafür eine Gebühr an den Factor bezahlen, welche für jeden Einzelfall individuell ermittelt wird.  Zur näheren Information und ebenfalls zur praktischen Unterstützung im Thema empfehle ich http://www.factoring.fuer-kmu.de/.

Eine Garantie, dass nun alles gut geht, gibt es leider nicht. Sofern Sie aber die o.g. Maßnahmen geprüft und die passenden davon konsequent umgesetzt bzw. in Aktion gebracht hat, müssten die Chancen für die Weiterexistenz Ihres Unternehmens sich deutlich steigern. Somit dürfte es nun Sinn machen, daß Sie das Thema nun auch prinzipiell lösen und entsprechende Maßnahmen aufzusetzen.

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